Eine Menge Bücher
Damit der 2. Stapel Bücher neben dem Rechner nicht auch so groß wird wie der erste (den ich noch nicht verblogt habe…). Hier also wieder die aktuell ausgelesenen Bücher.

Das sind Bücher der letzten paar Monate. Es ist alles durch die Bank dabei. Fange ich mal mit den Graphic Novels an.

Mein Favorit hier eindeutig Alison Bechdel mit Spent. Das war ganz an mir vorbei gegegangen, dass sie ein neues Buch raus hat. Also sofort zugeschlagen bei einem Besuch in Hamburg. So wußte ich vorher auch wirklich nichts über die Thematik. Eine Auseinandersetzung mit Geld/Verdienst/Wirtschaft im Allgemeinen und das alles autobiograpisch verfremdet und mit den Charakteren von Dykes to Watch out for. Ich habe sie so vermisst: Lois, Ginger, Swallow und Stuart. Und so vielen Anderen, die am Rand und in Andeutungen vorkommen. Ich weiß nicht ob das Buch so gut funktioniert, wenn man ihre anderen Bücher nicht kennt. Wenn man sie kennt: absolut brillant. Ich habe es verschlungen und dann gleich noch mal langsam gelesen. Nicht so depressiv wie Are you not my mother? oder The Secret of Superhuman Strength. Dabei aber nicht weniger differenziert. Der Buchladen in Hamburg: Strips and Stories ist unbedingt zu empfehlen.
Ein weiters Buch aus einem beeindruckenden Buchladen ist „The Girl that flew away“. Ich habe es in Paris bei Shakespeare and Company gekauft. Mit Warteschlange vor dem Buchladen. Das ist schon der touristischte Buchladen, den ich je besucht habe. Aber Bücher finden kann man da auch. Mich hat das Cover sehr angezogen. Es sind wunderbare Bilder, aber mit der Story bin ich nicht richtig warm geworden. Es spielt in den 70ern: eine junge Frau wird ungewollt von ihrem verheiratetem Chef schwanger und wird von ihm zur Vertuschung nach Florida geschickt. Dort vergehen die Tage zäh und die junge Frau driftet in der fremden Umgebung ohne Freunde immer mehr in Tagträume ab. Schöne Bilder, aber insgesamt hat es mich nicht erreicht.
Blankets habe ich von einer Dienstreise aus Berlin mitgebracht. Hier haben mich die Zeichnungen wieder angesprochen und dann der Verweis auf eben diese Decke, die für den Ich-Erzähler von seiner ersten Freundin für ihn gemacht wird. Als Quilterin hat mich das natürlich angesprochen. Es ist eine Coming of Age Geschichte eines Jungen/jungen Mannes aus einer sehr armen und ultrareligiösen christlichen Familie in den USA. Das ist für mich eine extrem fremde Welt. Als Mädchen hatte ich auch eine religiöse Phase, aber diese ultrakonservative, patriachale Kultur gruselt mich richtig. Das Erwachsen werden des jungen Mannes und sein zunehmende Entfremdung von den harten Dogmen seiner Umgebung fand ich sehr gut beschrieben und gezeichnet. Ein guten Buch, langsam und zum Nachdenken und noch mal eintauchen an die Unsicherheiten, Verzweiflungen und die Intensität des Erwachsen werdens. Auch wenn dies eine Geschichte aus männlicher Sicht ist war sie für mich zwar fremd, aber nicht völlig fremd.
„Der Ursprung der Welt“ stammt wieder von Strips and Stories aus der Second Hand Kiste. Ich hatte davon gehört und da ich zur Zeit ziemlich viel über Feminismus lese habe ich es mitgenommen. Von der Art der Zeichungen gefällt es mir am wenigsten. Als Geschichte der Frauenverachtung und Unterdrückung ist es aber nicht schlecht gemacht. Vieles war nicht so neu für mich, nach den vielen anderen Büchern zu der Thematik, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich glaube es darf weiter wandern.

Hier nun weiter mit einer bunten Mischung. Und gleich dem feministischen Buch, das definitiv bleiben wird: Die Wut, die bleibt. Ich habe auch das neuere Buch von Mareike Fallwickl hier liegen: Alle so still. Ich hatte auch schon angfangen, bin dann aber wieder abgebrochen. Und dann habe ich hier angefangen und konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Es beginnt mit einer Mutter, die in der Corona Zeit Selbsmord begeht. Sie steht vom Esstisch mit mit der Familie auf, geht auf den Balkon und springt runter. Wie ihre Tochter und ihre beste Freundin mit diesem Tod umgehen, wie die Geschichte dieser drei Frauen verwoben ist, dass wird in diesem Buch absolut meisterhaft beschrieben. Die kleinen Momente, die die Unsichtbarkeit und Geringschätzung von weiblicher Arbeit wie aus dem Augenwinkel schildern und sehr deutlich machen. Und die Beschreibung der Veränderung von Mädchen, wenn sie alle auf unterschiedliche Weise das erste Mal deutlich ihre Ohnmacht als Menschen zweiter Klasse, Menschen mit weniger Rechten, Menschen, denen Gewalt angetan wird, eben weiblichen Menschen im Patriarchat! Die Wut die belibt ist der beste Titel ever! Und definitiv dass was bleibt. Uneingeschränkt zu empfehlen. Es hilft die Wut zu kanalisieren, deutlicher wahrzunehmen und nicht so schnell zu verdrängen. Und das ist sehr gut!
Daneben dann das Buch über Waxprints. Sachbuch und Buch voller Geschichte und Soziologie. Ich liebe Waxprint-Stoffe. Ich hadere aber auch mit der kulturellen Bedeutung: ist es ok, wenn ich als weiße Mittelklasse-Europäerin die Waxprints benutze und trage? Ist das kulturelle Aneignung oder Reproduktion von rassistischer Ausbeutung? Denn die Waxprints sind europäische Stoffe. Die Europäer haben die Motive von den indonesischen Stoffen geklaut und sie dann in Afrika verkauft, als die Indonesier die europäischen Stoffe als zu minderwertig verschmäht haben. Und immer noch verdienen an den Waxprints vor allem 2 Firmen in den Niederlanden und nun zunehmend chinesische Billigimporteure. Dazwischen haben es Stoffe mit afrikanischem Ursprung viel schwerer und werden im Vergleich immer unerschwinglicher. Sehr spannend das alles und es gibt keine allumfassende Antwort. Das Buch gibt aber einen guten Einblick und viele sehr spannende Bilder. Hier und hier eine spannende Zusammenfassungen zu dem Thema.
„Die Tage in der Buchhandlung Morisaki“ habe ich schon vor einer Weile gelesen. Eine junge Frau landet über Umwege in der Wohnung über der besagten Buchhandlung. Sie ist nach einer unglücklichen Liebe zeimlich zeillos und weiss nicht wie es weiter gehen soll. In dem Buch passiert nicht wirklich viel und auch nichts wirklich spektakuläres. Ich musste mich hier wirklich an eine ganz andere Art des Geschichte erzählens gewöhnen. Das ganze hat mich mit relativ vielen Fragezeichen zurück gelassen. Aber ich habe bemerkt, dass sich die Bilder und Figuren dann später wieder auftauchten: beim sehen von Perfect Days oder anderen japanischen Büchern. Fazit für mich: ganz nett, aber kein Meilenstein.
Törtel liebe ich seit ich die Bücher meiner Tochter vorgelesen habe bzw. die Höhrbücher mit gehört habe. Mein liebster Band ist „Törtel und Nr. 3“ mit seinen irrwitzigen Eskalationen. Diese Buch hatte ich gesehen und gehofft, dass es ein vierter Band ist. Ist es aber leider nicht. Es gibt wohl eine Zeichentrickserie und dazu ist diese Buch erschienen. Damit leider deutlich kürzer, dünner (von Inhalt und Dicke) und nicht so voll mit meinen ganzen Lieblingscharakteren. Ich liebe Törtel, die ängstliche Schildkröte mit dem Heldenherzen, Palle den Dachs, der in der Vorstadt lebt aber die Wildnis sucht, Kevin, der hyperaktive Marder und natürlich Hokuspokus der Schwan. Und Wendy ist natürlich auch super. Und all die andern auch. Falls noch jemand richtig gute Kinderbücher ab 8 Jahren sucht.
Der nächste Block ist auch sehr divers: etwas Altes, etwas neues und was aus der Mitte.

„Windstärke 17“ habe ich relativ kurz nach 22 Bahnen gelesen. Da war mir der Hype um Caroline Wahl noch irgendwie gar nicht so klar. Windstärke 17 hat mir nicht so gut gefallen wie ihr erstes Buch. Liegt vermutlich auch daran, dass ich mit einer ruhigen, in sich gekehrten, kontrollierten Hauptperson eher dabei bin als bei einer hyperaktiven sehr impulsiven jungen Frau wie Ida. Die Beschreibungen des Haushaltes auf Rügen, in dem Ida durch Zufall landet haben mir sehr gefallen. Aber die Beiläufigkeit von Drogen kann ich so gar nicht ab. Als abstinente Person bin ich zunehmend nur noch genervt, wenn mir Drogenkonsum als cooles Accesoir von hippen/verzweifelten/einfach allen Jugendlichen präsentiert wird. Eher ein gutes Buch, aber vermutlich keins das bleibt
„Junge Frau mit Katze“ habe ich mir gleich gekauft, als ich es gesehen habe. Die anderen Bücher von Daniela Dröscher, die ich schon gelesen habe haben mir super gut gefallen. Hier geht es um eine eine junge Frau, die mit ihrer Doktorarbeit kämpft und dabei mit immer undurchsichtigeren gesundheitlichen Beschwerden kämpft. Und dazu kommt noch der dauernde Selbstzweifel, ob sie wirklich für die Kariere in der Wissenschaft geeignet ist. Sie fühlt sich nich zugehörig und als Hochstaplerin. Das kommt mir alles bis ins Detail bekannt vor. Aber dennoch ist es so ganz anders, als ich meine Zeit mit der Doktorarbeit, einem ausgeprägtem Impostor-Syndrom und meiner zunehmenden Isolation deswegen erinnere. Und gerade deswegen fand ich es sehr spannend. Es ist ein gutes Buch würde ich sagen, auch wenn es mir selsam fremd geblieben ist.
Das war das ganze neue Buch, danach dann ein deutlich älteres: „Monsieur Malaussene“ von Daniel Penac habe ich damals noch zu Zeiten meiner Doktorarbeit gelesen. Aber mir sind die Bilder von Bellville auf unserer Fahrt nach Paris doch wieder gegenwärtig geworden. Und so kriegt ich Lust es noch mal zu lesen und habe es mir gebraucht gekauft. Es war so eine doppelte oder besser dreifache Erinnerung: an den Urlaub in Paris im Somer und vor gut 30 Jahren und die Kontrast, an ein beschriebenes Paris, das es so nicht mehr gibt, und an meine Eindrücke beim ersten Lesen. Ich habe wieder Spaß an dem Buch gehabt, es hat mich auch beim zweiten Mal nie gelangweilt. Und die Freude an dem Figurenarsenal, dass gar nicht nachzuerzählen ist. Ich mag das Buch, ich mag Daniel Penac und ich mag seine Beobachtungsgabe.
„Call the Midwife“ hat ursprünglich meiner Schwiegermutter gehört. Sie hat es zum Geburtstag bekommen, weil sie auch lange als Gemeindeschwester gearbeitet hat. Ich habe die Verfilmung als serie hier immer noch liegen und immer noch nicht gesehen. Nun habe ich erst das Buch gelesen und es hat mir so mäßig gefallen. Der Fokus auf: früher war alles besser ist mir mit der Zeit ziemlich auf die Nerven gegangen. Es sind ja die Erinnerungen von Jennifer Worth, die in den 50er Jahren Hebamme für Hausgeburten im Lndoner Eastend war. Ich will mir die Verfilmung immer noch ansehen, aber das Buch kann wahrscheinlich weiter wandern.
„Mitternachtsschwimmer“ von Roisin Maguire musste ich mir kaufen, da gleich mehrere Knöpfe bei mir gedrückt waren: Irland, Schmimmen im Meer und dann noch eine ansprechender Umschlag. Es handelt von einem Mann, der für eine Woche in eine abgelegenes Ferienhaus auf einer irischen Insel fährt, weil er und seine Frau nicht mehr miteinander auskommen. Ihr zweites Kind ist am plötzlichen Kindstod gestorben und beide gehen ganz unterschiedlich damit um. Dann kommt der Corona Lockdown und aus der einen Woche Flucht wird dann eine ganze Weile. Es geht um Trauer, Schuld, dem sich auseinander-Leben und der Auseinandersetzung mit dem wer man ist und dem. der man sein wollte oder vielleicht noch sein will. Und dem Meer und dem Schwimmen. Jetzt wo ich drüber nachdenke: eher ein gutes Buch. Nur zum Ende fand ich es zu glatt. Es ist schon weiter gezogen.
Und hier der letze Schwung.

„Frühjahrskollektion“ habe ich mir spontan in meiner Buchhandlung in der Nachbarschaft gekauft: Mode und die Geschichte der jungen Bundesrepublik fand ich spannend. Das Buch liest sich auch spannend und einfach so weg. Am Anfang. Dann brechen die ganzen dunklen Geheimnisse aus der Vergangenheit auf. Wer war was vor 1945 und welche Geschichte wird jetzt davon erzählt. Das betrifft nicht nur die Mutter, die eifrig an einem Erfolg mit modernen Bademoden arbeitet und den Vater, der von der Kreigsgräberfürsorge durch „alte Kontakte“ beim Versandhandel landet. Ein frischer unbeschwerter Neuanfang ist für niemanden möglich. Auch nicht für die Tochter, die als Mannequin arbeitet und dabei vorlebt, wie Dünn und Verfügbar sein die wichtigsten Eigenschaften einer Frau in den 60ern sind, die „Erfolg“ haben will. Die progressiven Studenten sind dabei genauso fiese Macker, wie der konservative Chef/Geliebte. Eindeutige Sympatieträger gibt es hier keine. Alle sind Schwarz bis Grau, aber wie Aufgedröselt wird, welche Umstände zu welcher Schuld geführt haben und wie die Personen dann nachher damit leben hat mir gefallen. Kein einfaches Buch.
„Humans A Brief History of How We Fucked It All Up“ habe ich mir bei einer Bahnverspätung in einer Bahnhofsbuchhandlung aus dem Grabbeltisch gefischt. Die Zustände in den US of A haben mich da zugreifen lassen. Es liest sich gut weg. Die pessimistische und dunkelsarkastische Art des britischen Autors ist auf die Dauer nicht so meines. Aber dass man verzweifelt, wenn man sieht WIE DÄMLICH die Menschheit mit unter anderem dem Klimawandel umgeht, ist leicht nachzuvollziehen. Viele gute Beispiele von unfähigen Potentaten, die mit ihrer Überheblichkeit große Reiche in kürzester Zeit haben impoldieren lassen. Ging für keinen von denen persöhnlich gut aus.
Wo „Honigkuckuckskinder“ her kommt, kann ich gar nicht mehr sagen. Ich mag Andreas Steinhöfel sehr und wollte es daher lesen. Das Buch ist von 1996 und ich fand es erschreckend, um wie viel härter und dogmatischer jede Behandlung des Themas Geflüchtete mittlerweile geführt wird. Das Buch wirkt da schon fast aus der Zeit gefallen, obwohl es bei weitem keine Heile-Welt-Geschichte ist. Ein Kinderbuch, gut geschrieben und mit schönen Mädchenfiguren. Bleibt auf jeden Fall.
Und dann meine beiden Lieblingsbücher aus diesem Stapel:
„Zeige deine Klasse“ von Daniela Dröscher habe ich mir gleich nach dem ich bei der Lesung von „Lügen über meine Mutter“ war gekauft. Es ist ein wunderbares Buch. Ob nun zusammen mit „Lügen über meine Mutter“ oder ganz getrennt. Sie schreibt sehr persöhnlich über ihre soziale Herkunft. Und das Gefühl als Kind aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt an der Uni und in der Wissenschaft iegendwie falsch zu sein. Sie ist in etwa mein Alter und vieles, was sie von der Kindheit in den 70ern und der Jugend in den 80ern beschreibt kommt mir geradezu unheimlich bekannt vor. Nicht gleich, aber wie eine parallele Straße, die man immer mit im Blick hat, auch wenn man nicht dort fährt. Ihc bin darüber sehr viel über meine „Klasse“ ins Denken gekommen. Das hat meinen Blick unwiederuflich verändert. I cant unsee it. Sehr lesenswert!
Über „Hässlichkeit“ von Moshtari Hilal hatte ich eine Rezension gelesen. Die hat mich derart neugierig gemacht, dass ich mir das Buch bestellt habe. Ich habe ja einige Bücher über das Körperbild von Frauen gelesen in der letzten Zeit. Dieses Buch ist aber etwas ganz besonderes. Sie bleibt einerseits sehr autobiographisch in ihrer Auseinandersetzung mit Schönheitsidealen, denen sie nicht entspricht. Aber es bleibt eben nicht beim Individuellen. Die Fragen über die eigen Sicht auf Hässlichkeit und Schönheit stellen sich auf ganz unterscheidliche Weise. Unter anderem die Frage, ob Hässlichkeit das Gegenteil von Schönheit ist. Oder ob es Hässlichkeit ohne einen Begriff von Schönheit überhaupt gegeben kann? Ich finde es ist ein ganz beeindruckendes Buch. Unbedingt empfehlenswert.
Das war es mit 2025 hier im Blog. Ich habe weniger geschrieben, als ich wollte. Aber mehr als ich gedacht habe zu schaffen. Es war ein schweres Jahr für mich. Aber neben den Verlusten und der Traurigkeit gabe es auch viel wirklich Neues und viel Schönes. Darauf will ich mich noch mehr konzentrieren in 2026.
